Freiwillige & Praktikanten

matthias

Du bist durch reinen Zufall auf unsere Webseite gestoßen und neugierig, was Freiwillige/ Praktikanten im Pahkla Camphill Küla machen?

Oder denkst du konkret darüber nach, deinen Freiwilligendienst/ dein Praktikum in Estland zu verbringen – einem Land, von dem viele nicht einmal wissen, wo es liegt?

So oder so bist du hier auf jeden Fall auf der richtigen Spur, was Informationen angeht!

Als Freiwillige/ Praktikanten erwarten euch viele Herausforderungen, Erfahrungen, Möglichkeiten, unterschiedliche Arbeiten auszuprobieren und selbstverständlich auch viel Spaß.

Pahkla Camphill Küla ist eine recht überschaubare Dorfgemeinschaft mit zur Zeit zwanzig Menschen mit Behinderung im Alter von 20-63 Jahren, fünf Mitarbeitern (und fünf weiteren, die mehr oder weniger häufig von außen zum Arbeiten dazukommen) und natürlich mehreren Freiwilligen, die auf vier Häuser aufgeteilt sind. Die geringe Personenzahl macht es möglich – und auch nötig –, zu jedem der Bewohner in intensivem Kontakt zu stehen.
Die Betreuten sind hier bei uns sehr selbstständig, sodass es nicht sehr schwer fällt, hier anzukommen und sich einzuleben. Sie sind sehr offen und freuen sich jedes Jahr aufs Neue über interessante Menschen.
Dadurch, dass wir nicht sehr viele sind, gibt es immer eine ganze Menge zu tun, jede einzelne helfende Hand wird gern gesehen und auch tatsächlich gebraucht. Nun stellt sich die Frage: Was machen wir überhaupt hier? Die Antwort darauf ist relativ leicht: Hauptsächlich arbeiten.
Die Arbeit teilt sich in drei unterschiedliche Gruppen ein:

1. Die Sommerarbeit: Dazu gehören vorwiegend Feld- und Gartenarbeiten, also Heuarbeit, Saat, Unkrauten und Ernte. An letzteres schließt sich dann das Kochen von Marmelade, Saftpressen und Einlegen von Gemüse an. Bei den Sommerarbeiten ist man überwiegend draußen beschäftigt.
2. Die Winterarbeit: Dabei liegt der Schwerpunkt auf unseren beiden Werkstätten Weberei und Kerzenwerkstatt, in denen ihr die Dörfler anleitet, beaufsichtigt und gleichzeitig auch selbst aktiv werden könnt. Es muss aber auch eine Menge Heizholz gespalten und gestapelt werden und weil die Kühe im Winter nicht draußen bleiben können, fällt auch im Stall Arbeit an.
3. Ganzjährige Arbeit: Wie ihr euch vorstellen könnt, müssen auch die Haushalte laufen. Wer möchte schon in einem dreckigen Haus wohnen oder von anstrengender Arbeit zurück kommen und nichts zum Essen haben? Auch das Kochen und Putzen gehört zu Aufgaben, die Freiwillige übernehmen. Außerdem müssen das ganze Jahr über Kühe gemolken und die so gewonnene Milch in der Milchküche weiterverarbeitet werden. Dabei erwarten euch Produkte wie Joghurt, Quark, Gouda und Kräuterkäse.

Keine Sorge, wenn sich das alles etwas fremd anhört: In den ersten Wochen wird euch vieles beigebracht werden, was euch bald in Fleisch und Blut übergeht. Die Dörfler zeigen, erklären und helfen euch dabei immer sehr gerne. Generell werdet ihr (fast) immer mit jemandem zusammen arbeiten, was die Zeit durch ihre Albereien und Späße sehr schnell vergehen lässt.
Es dreht sich allerdings auch nicht alles um die Arbeit, auch wenn man das irgendwann zu glauben beginnt. Denn Freizeit muss natürlich auch sein!
Ihr werdet einen Tag in der Woche frei haben und könnt euch vier Wochen im Jahr Urlaub nehmen. In der Region gibt es viel zu erkunden: Estland an sich, die Hauptstadt Tallinn ist nur 30 km vom Camphill entfernt; interessante Länder und Städte wie Finnland/Helsinki, Lettland/Riga, Schweden/Stockholm, Russland/Moskau + Sankt Petersburg sind mit der Fähre, Bus oder Zug jeweils in wenigen Stunden zu erreichen.
Da ihr keine Ausgaben für Kost und Logis habt und dafür ein Taschengeld in monatlicher Höhe von 100 € zur Verfügung gestellt bekommt, werdet ihr für Unternehmungen und Reisen in der Regel genug finanzielle Mittel haben.
Im Camphill selbst beschränkt sich die Freizeit neben einer großzügigen Mittagspause hauptsächlich auf die Abende. An einem Abend wird von den Freiwilligen und Praktikanten ein gemeinsamer Spieleabend gestaltet, zu dem alle Dörfler, die Interesse haben, kommen. Hier könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen: Sport, Spiel, Basteleien, Tanzen… Und wenn ihr mal keine Ideen haben solltet – die Dörfler haben sicher welche! Im Winterhalbjahr wird an einem Abend in der Woche zusätzlich mit allen, die Freude daran haben, gesungen. Bei dieser Gelegenheit kannst du auch gern ein Musikinstrument einbringen, wenn du Lust hast.
Wenn ihr die Initiative ergreift, können noch andere Veranstaltungen hinzu kommen: Disko, Filmabend, Basketballturnier, Schwimmen, Ausflüge zu Konzerten oder in den Zoo. Auch bei Festen wie Weihnachten (inklusive Krippenspiel), Ostern, Erntedank oder dem Frühlingsfest könnt ihr beim Gestalten mithelfen.
Eine Frage, die alle Freiwilligen hier von Familienmitgliedern und Freunden zu hören bekommen, ist, welche Sprache denn hier gesprochen wird. Es ist Estnisch, eine etwas eigenwillige Sprache, die wir übrigens liebevoll als Geheimsprache des Deutschen bezeichnen, weil es so unendlich viele Lehnwörter und Parallelen gibt. Das und die gemeinsam verbrachte Zeit mit den Dörflern, sei es beim Arbeiten oder bei kulturellen Anlässen, wird euch schnell Estnisch lernen lassen. Außerdem gibt es halbjährig Estnischunterricht. Wer beeindrucken möchte, kann gern schon zu Hause anfangen zu lernen :-D! Und wenn es mal doch nicht so ganz mit der Verständigung klappt: Wozu haben wir denn Hände und Füße?
Im Winter wird ein Einführungskurs in die Sozialtherapie und biologisch-dynamische Landwirtschaft das kulturelle Angebot abrunden.
Was ihr unbedingt bedenken solltet, wenn ihr hierher kommen wollt, ist die etwas abgeschiedene Lage des Dorfes. Die nächste Einkaufsmöglichkeit sowie Bar findet sich im nächstgrößeren Ort, Kohila, und ist damit etwa 10 km entfernt. Nach Tallinn braucht man sowohl mit dem Zug (Bahnhof ebenfalls in Kohila), als auch mit dem Auto etwa eine Dreiviertelstunde. Als Freiwillige* habt ihr aber die Möglichkeit, eines der Dorfautos zu benutzen, sodass alles leicht erreichbar ist. Für alle, die länger hier bleiben wollen, ist es also von Vorteil, einen Führerschein zu besitzen.
Die Vorteile des Lebens auf dem Land werdet ihr vermutlich recht bald selbst kennen und schätzen lernen. Im Sommer kann man nachts mit offenem Fenster unbeeinträchtigt von Autolärm, Musik und Geschrei dem Vogel und Grillenkonzert lauschen, im recht dunklen und frostigen Winter hat man fern von Straßenlaternen einen großartigen Sternenhimmel über sich. Wer ein Fan von Sonnenauf- und -untergängen ist, wird sich hier gar nicht satt sehen können.
Die recht kleinen Verhältnisse Estlands (insgesamt 1,3 Mio. EW) sind gelegentlich etwas beengend, aber die niedlichen Kleinstädte mit ihren wunderbar erhaltenen Altstädten und gemütlichen Holzhäusern sowie den im Sommer wegen der Helligkeit und Wärme zahlreich stattfindenden Festivals sind eindeutig ein Grund, das Land lieben zu lernen!

Und zum Abschluss möchten wir noch einmal von ganzem Herzen sagen: Bitte kommt, denn Hilfe ist dringend nötig! Wir freuen uns riesig auf jeden, der sich dazu entschließt, sich anzusehen, was wir hier leisten und bereit ist, seinen Teil dazu beizutragen!

*In unserem Sprachgebrauch meint Freiwillige im Allgemeinen solche, die einen Freiwilligendienst von einem Jahr oder länger hier machen.

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